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Garten Talk 002: Carbonara Studios

by Maximilian Krolo published on 22.10.2018

Es ist der “Tag der Deutschen Einheit” und ich befinde mich auf einer Autobahn irgendwo in Süddeutschland. Der nächste “Gartentalk” steht an und ich reise ins Saarland, um die Jungs des Tonstudios “Carbonara Studios” zu treffen. Es ist ein sehr sonniger Tag und auf der Autobahn ist es sehr ruhig. Ich komme in St. Ingbert an und bin verwundert, da ich ein Tonstudio nicht in einer solchen Lage erwartet hätte. An diesem Ort hätte ich vielmehr mit einem “Fußpflegestudio” oder einer “Tupperware-Party” gerechnet. Das ist aber wohl die Magie, welche das Studio ausmacht – versteckt und im Geheimen. So ist es auch möglich hochkarätige Künstler wie Genetikk oder DCVDNS aufzunehmen ohne, dass die komplette Nachbarschaft auf einmal vor der Tür steht. Im Studio und während des Interviews selbst galt permanent eine freundschaftliche Atmosphäre, weshalb mein Kontakt zu den Jungs die Zeit des Interviews noch lange überdauern wird.

Freut euch auf ein Interview mit vielen Einblicken in die Arbeit eines professionellen Tonstudios!

 

Max: Hey an alle! Ich sitze hier mit den Jungs von “Carbonara Studios” und würde mit meiner obligatorischen Einstiegsfrage beginnen: Wie alt seid ihr beide?

Dustin: Beide 21, nein, 23. 

(Gelächter)

Pietro: Okay, 23.

Max: Top! Wie seid ihr denn zur Musik gekommen?

Pietro: Wir waren früher normale Hörer haben & uns dafür interessiert und dann hat es hat sich einfach so entwickelt. 

Max: Könnt ihr einen genauen Zeitraum festmachen, wann es wirklich vom Fansein ins Musikmachen übergegangen ist? 

Pietro: 2012 im Burger King haben wir gesagt, dass wir ein Studio aufmachen. Ein Freund aus Köln, der gerappt hat, ist hierher gezogen und dann wollten wir ein Studio aufmachen. Dann haben wir uns einen Raum gemietet und ihn renoviert. Grüße an dieser Stelle an Giovanni.

Max: 2012 hattet ihr also bereits euer erstes Studio?

Pietro: Ganz genau. Bis 2013 hat es dann gedauert bis der Raum fertig renoviert und ausgestattet war. Das war hier in so einem Industriepark bei uns in der Stadt. Relativ abgeranzt, jedoch gut für den Anfang.

Max: Ich habe das Glück, in eurem neuen Studio zu sitzen. Es sieht wirklich toll aus! Seit wann seid ihr denn hier?

Pietro: Seit letztes Jahr August. 

Dustin: Jow.

Max: Dafür hat sich aber schon einiges getan. Sieht wirklich top aus!

Pietro: Dankeschön!

Dustin: Merci!

Max: Mit welchen Künstlern habt ihr denn begonnen aufzunehmen?

Pietro: Die Meisten Künstler sind relativ unbekannt, kennt man jetzt nicht überregional. Haben alle bisher sehr wenig draußen oder fast noch gar nichts. Sind aber schon länger am Musik machen. Angefangen mit professionellen Künstlern hat es letztes Jahr mit TIAVO. 

Max: Wann habt ihr letztes Jahr mit TIAVO aufgenommen? 

Dustin: Die Demos im Sommer fürs Album. 

Pietro: Da hat sich dann herauskristallisiert, dass hier auch das komplette Album – also die finalen Recordings – auch hier gemacht werden. Im Oktober und im November waren dann die Aufnahmen fürs Album und wir haben das dann einfach gemacht. 

Max: Ich hab dich, Pietro, im VBG kennengelernt, als du davon gesprochen hast, dass bei euch Genetikk DNA2 aufgenommen haben. Ist der Kontakt zu Genetikk über TIAVO entstanden, oder bestand dieser bereits vorher? 

Dustin: Der bestand praktisch schon vorher, man hat sich über Ecken gekannt.

Pietro: Man hat sich flüchtig gekannt und die haben auch gewusst, dass wir ein Studio haben. Die richtige Zusammenarbeit ist aber letztendlich erst über TIAVO entstanden. Dann haben wir beschlossen, dass wir die Zusammenarbeit vertiefen. Die hatten Bock drauf und wir haben natürlich nicht nein gesagt. 

Max: Wie würdet ihr die Zusammenarbeit mit professionellen Künstlern im Vergleich zu der Zusammenarbeit mit unbekannteren Künstlern beschreiben? Ist es eine andere Zusammenarbeit oder würdet ihr sagen, dass es sich alles auf einem gleichen Niveau oder Level bewegt?

Dustin: Prinzipiell ist es das gleiche Level. Bei unbekannteren Künstlern ist immer noch gefühlt mehr Leichtigkeit dabei bzw. ist es experimenteller da diese noch nicht immer Wissen was sie zu 100% wollen.

Pietro: Man muss bei allen 100% abliefern ob bekannt oder unbekannt, wir versuchen immer mehr als 100% rauszuholen. Bei den unerfahreneren Künstlern ist es mehr aus dem Bauch heraus. Die Größeren wissen genau wie sie was machen wollen und Wissen wie Sie ans Ziel kommen.

Dustin: Ein weiterer großer Unterschied ist die „Mic-Performance“ zwischen unbekannteren und professionellen Künstlern. 

Max: Klingt interessant! Kannst du das weiter ausführen? 

Dustin: Man braucht sehr viel weniger Takes bei professionellen Künstlern. Deren Stimme ist geschulter und sie können mit dieser besser umgehen. Sie wissen wie sie betonen müssen und wie man sie in gewissen Sequenzen des Tracks verändert. 

Pietro: Bestes Beispiel TIAVO. Die unerfahreneren Künstler müssen meistens erst hundertprozentig reinkommen ins Recording und brauchen relativ lange, um die finale Stimme zu finden. TIAVO stellst du einfach ans Mic und er bringt dir sechzig Takes und die sind lupenrein. Genauso ist das auch bei den Genetikk Jungs. Kappa kommt und spittet das wirklich lupenrein ein und ist dabei hundertprozentig fokussiert. Dieser Fokus und diese „Mic-Performance“ merkt man bei den professionelleren Künstlern enorm. 

Dustin: Wobei wir auch schon 1-2 unbekanntere Leute hatten, die sehr professionell waren. Das ist alles Erfahrungssache. Wenn man relativ unbekannt ist, hat man auch oftmals einfach nicht die Mittel, um in ein Tonstudio zu gehen. Man kann dann einfach schlecht wissen, auf was man achten muss oder eben nicht. 

Max: Ich nehme jetzt einfach mal an, dass ihr unbekannteren Künstlern unter die Arme greift.

Dustin: Das ist meistens ein Prozess von so fünf Tracks. Nach dem fünften oder sechsten Track bekommt man meist einen Meilenstein mit, bei dem man mitbekommt, dass die „Mic-Performance“ besser ist. Sie selbst hören dann auch besser an welchen Stellen die Stimme nicht so toll klingt. 

Pietro: Das sind Prozesse die man so durchlaufen kann. Man kann die unbekannteren Künstler durch die Erfahrung mit der Zeit einfach aufmerksamer machen. Achte dadrauf, dadrauf und so weiter. Das haben wir mitgenommen und geben das dann immer gerne weiter. Den Leuten, mit denen wir zusammenarbeiten, versuchen wir dann auch immer sehr viel mitzugeben. 

Max: Könnt ihr über den Daumen brechen mit wie vielen Künstlern ihr derzeit zusammenarbeitet?

Pietro: Intensiv mit 5-8 das nimmt unsere komplette Zeit in Anspruch. Wir machen aber momentan auch nur das, auf das wir Bock haben. Man sucht sich jetzt langsam die Projekte aus. Natürlich ist die Zeit immer ein entscheidender Faktor. Wir machen lieber etwas weniger und geben dafür 100%. Wir versuchen, die Künstler zu verbessern und nehmen nicht nur auf. Wir pflegen immer freundschaftliche Beziehungen. Wenn wir merken, dass es nicht passt, lassen wir es auch lieber sein. Es muss schon so sein, dass man auch zwei Stunden im Studio chillen können sollte ohne aufzunehmen, wenn man einen Song macht. 

Max: Da ihr zu zweit seid wär es sehr interessant zu erfahren, wo eure Arbeitsschwerpunkte liegen. 

Dustin: Mein Bereich ist hauptsächlich das Mixing und das Recording. Postproduktion. Ich gucke, dass die Recordingsessions gut laufen. Gebe den Künstlern Tipps bei den Sessions. Mixing ist praktisch der wichtigste Prozess nach dem Recording. Dabei geht es um die Ausarbeitung der gesamten Spuren, bei welcher man versucht, die Idee des Künstlers in das Lied zu integrieren. Bei unbekannteren Künstlern ist es dann auch so, dass wir das Mastering übernehmen. Eigentlich ist das nicht so der – 

Pietro: Usus, da das im Regelfall ein Mastering Engineer macht z.B Volker Idr Gebhardt.

Max: Da würde ich noch kurz einschneiden, bevor du – Pietro – noch beantwortest, was du hier machst. Das ist mir schon aufgefallen. Vielen Leute im VBG oder generell im Internet geht es so, dass der Unterschied zwischen Mixing und Mastering nicht genau bekannt ist. Kannst du diesen kurz beschreiben?

Dustin: Ja, klar. Der Unterschied zwischen Mixing und Mastering ist eigentlich relativ einfach. Mixing ist die Bearbeitung von allen Spuren, die es gibt. Sprich alle Drums, alle Vocals, alle Instrumente. Das sind dann meistens zwischen 16 und 32 Spuren. Wenn der Mix fertig ist, wird alles exportiert und man hat nur noch eine Spur. Das ist wie ein normaler Song, den du jetzt hast und diese eine Spur wird dann sozusagen gemastert. Da wird die eigentliche Lautheit angepasst. Wenn du jetzt ein Lied auf dem Album weiter drückst, sind die immer gleich laut. Das fällt zwar nicht jedem direkt auf, aber jedes Lied ist immer gleich laut. Im Radio ist das sehr wichtig, sonst müsste man die Lautstärke nach jedem Lied verändern. Das ist die Hauptarbeit, die im Mastering gemacht wird. Natürlich versucht man dabei noch den letzten Feinschliff im Mastering herauszuholen. Der Hauptfaktor, in dem der Klang erzeugt wird, ist im Mixing, weil man da Zugriff auf alle Spuren hat.

Max: Das ist sehr gut und einfach erklärt! So hab ich es auch endlich mal verstanden! Und Pietro was machst du?

(Gelächter)

Pietro: Ich organisiere eigentlich die ganzen Recordings, spreche mit den Künstlern die Termine durch und bin eigentlich der Organisator, der alles mit den Leuten abcheckt. Ich guck, dass der Laden läuft. Ich schaue, dass wenn jemand aufnehmen kommt Kaffee und Kekse da sind, alles möglich eigentlich. Hier im Studio sind Haribos, Trollis Glühwürmchen und Haselino Kekse sehr wichtig. Das sind Essentials beim Aufnehmen, die man auf jeden Fall braucht. Was mach ich sonst noch? Ich gucke, dass die Technik läuft, kümmere mich um Plug-Ins, mache auch Recordings, lade Samples, Loops, alles mögliche. Ich bin auch bei diversen Künstlern mit den Produzenten im Kontakt. Die schicken mir dann Beats, die ich dann an die Künstler weiterleite. Ich bin praktisch der, der versucht, alles zu regeln und meinem Kompagnon den Rücken freizuhalten, damit er in aller Ruhe mixen kann.

Max: Sehr schön gesagt! Es ist sehr interessant, diesen Einblick hier zu bekommen. Wir sind in St. Ingbert, dass können wir natürlich sagen und hier ist ja noch ein Rapper heimisch: DCVDNS. Habt ihr auch Kontakt zu DCVDNS?

Pietro: Da besteht schon ein Kontakt. Schon relativ lange. Er hat am Anfang auch mitbekommen, dass wir Musik machen und uns freundlicherweise unterstützt. Er hat uns damals sein altes Mikrofon zur Verfügung gestellt und wirklich zwei Jahre ausgeliehen, damit wir uns ausprobieren können. Das war für uns zu dieser Zeit wirklich ein top Mikrofon. Bei D1TW haben wir auch 1-2 Sachen mitgemacht und unterstützt wo es nur ging. Der Kontakt ist immer da. Auch jetzt für den “Struggle” Song haben wir auch an verschiedenen Stellen mitgeholfen. Es ist ein freundschaftlicher Kontakt, der nicht nur aus Musik besteht. 

Dustin: Er ist eigentlich hauptsächlich ein Freund.

Pietro: Er ist ein Freund, der uns viel geholfen hat und bei dem wir auch immer musikalisch wissen was abgeht. Er weiß natürlich auch immer was bei uns abgeht. Man chillt auch einfach mal ein paar Tage am Abend. Hier oder bei ihm.

Dustin: Oder man spielt Golf.

Pietro: Also Dustin mit ihm. 

Max: Oh geht ihr auf den Golfplatz?

(Gelächter)

Dustin: Jo, ab und an. 

Pietro: DCVDNS ist ein begnadeter Golfspieler.

Max: Gewinnt er gegen dich?

Dustin: Nicht wirklich.

Max: Also bist du noch besser?

Dustin: Ja. 

Max: Wie lange spielst du schon Golf? 

(Gelächter)

Dustin: Ich hab früher mal ein Jahr gespielt. So mit 16 rum. Letztes Jahr wieder mit ihm angefangen und so 5-6 mal gespielt. Er hat zum ersten Mal gespielt und ich hatte Erfahrung. 

Max: Ah, ich verstehe.

Pietro: Was nicht heißt, dass er nicht top ist. 

Max: Also halten wir fest: Top Golfspieler DCVDNS! 

Pietro: In Allem der Beste! Profi kann er werden!

Max: Also der neue Tiger Woods?

Pietro: Der bessere Tiger Woods!

Max: Also “der erste tighte Weiße” nicht nur im Rap, sondern auch auf dem Golfplatz!

Pietro: Ganz genau! (Gelächter) Die Leute können auf jeden Fall auf das Ding mit Tamas gespannt sein. Das wird fett.

Max: “Struggle” fand ich persönlich auch sehr gut. 

 

Max: Mit welchem Programm nehmt ihr auf?

Pietro: Hauptsächlich Cubase, aber Logic ist auch in der Mache. Reason haben wir noch. Praktisch muss man da immer anpassungsfähig sein. Es gibt Künstler, die arbeiten mit Logic. Dann muss man mit Logic aufnehmen, damit jeder die Session hat. Wenn jemand lieber in Cubase arbeitet, arbeiten wir in Cubase. 

Dustin: Wenn es unsere Projekte sind arbeiten wir eigentlich immer in Cubase. Wenn es extern ist, arbeiten wir wie die wollen. 

Max: Also seid ihr da völlig offen. 

Pietro: Muss man auch, damit es für alle am einfachsten ist. 

Max: Das bekannteste Programm, vor allem für Beatproduktion ist wohl FL Studio. Wie würdet ihr es denn bewerten, wenn man in FL Studio auch die Vocals aufnimmt? Ist das für Anfänger zu empfehlen?

Pietro: Also wenn man nur ein Programm hat, dann geht das klar. Wenn es ans professionelle Recording geht, finde ich es einfach super kompliziert. 

Dustin: Für Beatbauen ist es top.

Pietro: Ich will jetzt nichts falschen sagen, da meine FL Studio Kenntnisse eher rudimentär sind, aber man nimmt beim Aufnehmen wie in einem Sampler auf. Das ist ein bisschen kompliziert. Der Produzent ( 4Native) von Yakama macht das eigentlich immer so. Die machen ihre Skizzen immer in Fruity Loops und ich find das immer grausig. 

Max: Also zu viel Arbeit und zu kompliziert.

Pietro: Ganz genau. Ist auch eigentlich nicht fürs Aufnehmen gemacht. 

Max: Ihr seid genau die richtigen Ansprechpartner. Wenn ich durch die Gruppe oder generell durch das Internet stöbere, finde ich viele Leute, die sich heutzutage als Rapper versuchen oder behaupten wollen. Viele Leute scheitern aber bereits an den technischen Dingen. Was würdet ihr denn Leuten, die Ideen haben, empfehlen wie sie anfangen können?

Dustin: Meinst du jetzt die technische Seite?
Max: Ja, genau. Es gibt viele „Rapper“, die qualitativ und insgesamt sehr schlecht klingen.

Pietro: Ja, da stimmt der Vibe nicht.

Max: Wenn man XXXtentacion betrachtet, sieht man aber auch, dass die Qualität anfangs nicht so wichtig ist, wenn der Vibe stimmt. Wenn man keinen Vibe hat, sollte man wenigstens Qualität liefern.

(Gelächter)

Dustin: Ja, das stimmt. 

Pietro: Es ist immer wichtig, dass man nie aufgibt. Am Anfang hatten wir ein Interface, das bei niedrigen Pegeln schon gerauscht hat. Nach drei Tagen haben wir das wieder weggegeben und uns was anderes gekauft. Für den Anfang auf jeden Fall ein Focusrite Scarlett Interface, ein billiges Rode Mic oder ein T-Bone, zwei Boxen – KRK oder Yamaha – und Kopfhörer. Dann sich einfach selbst probieren. Ein Programm bekommt man sowieso immer wie. 

Max: Zur Not kann man auch Audacity nehmen.

Pietro: Ganz genau. Es gibt auch Digital Audio Workstations (Programme), die komplett kostenlos sind. Wenn man hundertprozentig am Ball bleibt, merkt man auch schnell, was man kann und eben nicht. Für das was man nicht kann findet man im Internet viele Tutorials. Musik aufzunehmen ist nicht so schwer, wenn es ins technische geht mit Vorverstärkern und so weiter und dem gekonnten Einsetzen von bestimmten Equipment ist es wieder etwas Anderes. 

Max: Was bietet ihr den Künstlern, das andere Studios nicht bieten? Was hebt euch ab?

Pietro: Wir zwei!

(Gelächter)

Max: Geile Antwort! 

Pietro: Aufnehmen kann jeder, Mikrofone hat jeder, Vorverstärker hat jeder, aber uns gibts nur einmal! Ich denke jeder, der mit uns aufnimmt, kann das zu Hundertprozent bestätigen.

Max: Die Antwort ist gut!

Max: Nehmen wir an es käme ein junger Künstler übers Internet auf euch zu. Ihr seid von dessen Musik nicht begeistert, aber würde gerne bei euch aufnehmen. Würdet ihr grundsätzlich jeden zum Aufnehmen einladen? 

Pietro: Grundsätzlich ja, denn jeder kann sich verbessern. 

Dustin: Wenn es ein neuer Künstler ist, macht er ne Demo bei uns. Dann redet man und schaut, ob man Lust aufeinander hat. Im besten Fall haben beide Seiten Lust. Wenn es nicht gepasst hat, stellt sich auch meistens im Gespräch raus, woran es lag. 

Pietro: Wenn der Typ korrekt ist, aber nicht die beste Musik macht, kann man ja Musik machen und versuchen, ihn zu verbessern. Man sollte immer durchziehen, egal was jeder sagt. Am Anfang hören die jungen Leute oft, dass es scheiße sei. Man muss aber darauf scheißen und einfach sein Ding machen. 

Max: Natürlich macht ihr das Alles nicht für Lust und Liebe. Da müssen wir ehrlich sein. Ihr verdient damit euer Geld. Habt ihr da Preisunterschiede zwischen Künstlern, die am Anfang stehen und beispielsweise TIAVO oder Genetikk? 

Dustin: Bei uns gibt es keine Pauschalpreise.

Pietro: Es ist immer auf den Künstler abgestimmt. Wenn du jemanden hast der neun Stunden einen Song aufnimmt und du ihn zwanzig Stunden mischen musst, ist das anders, als wenn jemand kommt und in drei Stunden einen Song aufnimmt. Du bist einfach mit dem Mix schneller, weil es weniger Spuren sind und die Songstruktur einfacher ist. Wir versuchen, jedem entgegenzukommen. Vor allem jüngeren Künstlern. Ich werd zu keinem Anfänger sagen, dass er 200 Euro pro Song zahlen muss. 

Max: Also sollen mögliche Interessenten sich nicht davor scheuen, euch anzuschreiben?

Pietro: Nein, die sollen einfach schreiben und wir checken es einfach ab. Wer 16 Jahre alt ist und ein Übertalent, dem würd ich nie sagen, dass er hier jetzt 200 Euro zahlt. 

Dustin: Das ist ne Mischung aus Talent, wieviel Zeit haben wir, wie viel Zeit haben die Leute. Investieren die Leute was in ihre Musik? Wenn die Leute dazu bereit sind, sind wir auch bereit mitzugehen – je nachdem. Wenn wir sehen, dass Leute nichts in ihre eigene Musik investieren –

Pietro: Damit meinen wir auch Zeit und alles Mögliche. 

Dustin: Sonst macht es für uns auch keinen Sinn, die Leute für weniger Geld aufnehmen zu lassen. Sonst werden immer alle unterstützt, sofern sie investieren – so wie wir. Das ist für uns normal. 

Max: Wenn ich mich bei euch umschaue, sehe ich sehr viele Apple Produkte. Ein MacBook Pro, hier steht noch ein iMac.

Pietro: Ein neuer iMac Pro ist auch am Start. Der wird gerade noch eingerichtet. 

Max: Also würdet ihr sagen, dass Apple in Sachen Musikproduktion das Beste ist?

Pietro: Es hat sich bei uns einfach bewährt. Es funktioniert.

Dustin: Es ist simpel. Man braucht keine Treiber. Ohne Treiber ist das Leben relativ leicht.

(Gelächter)

Pietro: Wenn man hier ein Genetikk Album oder die TIAVO Platte aufnimmt, will man ungern, dass während der Session der PC abstürzt oder ein Programm Probleme bereitet. Cubase ist bisher zweimal in drei Jahren abgestürzt. Man kommt aber zum Glück immer wieder in die Session, da oft zwischengespeichert wird. Mit Windows würde ich das ungern machen.

Max: Also ein klarer Vorteil aufgrund der Stabilität des Systems.

Pietro: Definitiv. 

Dustin: Das hat nicht direkt etwas mit Leistung zu tun. PCs können ja genauso ausgestattet sein. 

Max: Welches Mikrofon benutzt ihr derweil?

Dustin: Im Moment einen Typ U47 Nachbau. Die Marke verraten wir aber nicht.

Pietro: Die Marke ist unser Geheimnis. Es gibt einige Nachbauten vom Neumann U47 und das ist eine spezielle Revision. Das ist ein Röhrenmikrofon, es wird aber noch einiges dazukommen. 

Max: Arbeitet ein Röhrenmikrofon trotzdem mit der Großmembrantechnik?

Pietro: Ganz genau. Es ist ein Großmembraner mit einer Röhre. 

Dustin: Die Röhre ist die für den Klangcharakter verantwortlich.

Max: Ist das eine Röhre, wie ich sie in meinem Röhrenverstärker für die Gitarre habe?

Dustin: Das ist alles die selbe Technik. Röhrentechnik hat nichts mit Musik zu tun, sondern ist Elektrotechnik. 

(Gelächter)

Pietro: Also nicht Neumann U47, sondern ein U47 Nachbau. Hat sich bewährt und wird auch von vielen Leuten als das Beste empfunden. 

Max: Also spart man im Vergleich zu Neumann auch paar Euros?

Dustin: Nein.

Pietro: Nein, nicht wirklich. 

Max: Wieso kauft man dann einen Nachbau?

Pietro: Die Neuen sind nicht mehr so gut. Alle Neumann Mikrofone ab 2000 sind nicht mehr so gut. Das U47 in dieser Mache gibt es auch nicht mehr von Neumann. Es gibt lediglich eine andere Revision und das klingt leicht anders. Die Vintage Mikrofone von 1960, 1970, 1980 kosten schnell zehn/zwanzigtausend Euro.

Dustin: Die sind unbezahlbar. 

Pietro: Wir haben auch noch viele andere Mikrofone und sind noch an anderen Dingen dran. Mikrofone kann man nie genug haben. 

Max: Hier sehe ich noch Abhöremonitore.

Pietro: Die Haben wir von KS Digital, eine Firma aus Saarbrücken, die Abhörmonitore baut und uns unterstützen. Wir haben die auch noch freundlicherweise umgebaut bekommen.

Max: Sieht toll aus! Ich finde es sehr schön, dass man sich hier lokal noch unterstützt. 

Pietro: Ja, der Geschäftsführer Johannes – Grüße an ihn – hat uns da wirklich unterstützt. Wer Abhörmonitore braucht und etwas ausgeben will und kann, ist dort gut aufgehoben.

Max: Gibt es auch eine günstigere Preisrange? 

Pietro: Die fangen so bei 600-700 pro Stück an. Das sind echt tolle Teile. Vor Allem weil es Koaxial Systeme sind. Die sind Aufstellungsunkritisch und bei KS Digital legt man viel wert auf technische Eigenentwicklungen, FirTec Technik z.B, die Jungs geben sich echt Mühe.

Max: Carbonara Studios – euer Logo gleicht einer Pizzeria – die Frage werdet ihr vermutlich schon oft gehört haben, jedoch noch nicht in einem solchen Interviewkontext. Wie seid ihr denn auf den Namen gekommen? 

Pietro: Das war spontan in der Aufnahmesession der ersten TIAVO Songs. Damals hatten wir noch einen anderen Namen, den wir jetzt mal nicht verraten. Der war nicht so gut. 

Dustin: Es war noch ein Arbeitsname.

(Gelächter)

Max: Work in progress. 

Pietro: Dann hat unser Freund Tim Schoon, der alle TIAVO Songs gemischt hat, den Impuls gegeben und dann in den Raum geworfen, dass wir nachher Carbonara essen gehen. Dann fanden wir das echt cool und wollten uns so nennen. Das war während der gesamten Produktionsphase ein Running Gag. An dieser Stelle Grüße an Tim, Matteo und die TIAVO Boys.

Max: Zur Carbonara. Kannst du gute Carbonara kochen?

Pietro: Ich denke schon, ja!

Max: Wo schmeckt sie denn am besten?

Pietro: Bei meiner Mama! Das ist die beste Adresse. 

Max: Genetikk beziehungsweise das Label „Outta this world“ haben angekündigt, dass sie einen neuen Künstler unter Vertrag nehmen – YUNG RVIDER – und ich habe durch Instagram bemerkt, dass er scheinbar bei euch aufgenommen hat. 

Dustin: Das stimmt!

Pietro: Wir nehmen alles mit ihm auf und die Leute können auf jeden Fall gespannt sein. 

Max: Wie seid ihr auf den jungen Mann gekommen? Ich weiß nicht ob er jung ist, immerhin nennt er sich mal „Yung“. 

Pietro: Sein Alter werden wir nicht verraten. Wir kannten ihn schon vor dem neuen Studio und haben schon länger zusammen Musik gemacht. So kam das Eine zum Anderen. 

Max: Der Mann hat Talent?

Dustin: Ja, er hat Talent bewiesen. 

Pietro: Man kann gespannt sein, definitiv.

Max: Auf YALA wird er dabei sein?

Pietro: Hörbar ja, die EP wird auch in der Box sein.

Max: Kommt die EP auch auf Spotify oder ist sie exklusiv in der Box?

Pietro: Ist auf allen Streaming Portalen draußen dann. Wenn das Interview draußen ist, gibt es sie eventuell schon.

Max: Wenn jemand die EP vorher hören will, soll er zu mir kommen. Ich habe die Box selbstverständlich vorbestellt. Ruft mich an und kommt vorbei. 

Pietro: Genau, fährt zu Max und pumpt den Scheiß!

 


Max: Gibt es noch etwas, das ihr den Leserinnen und Lesern vom Verband Botanischer Gärten mitgeben wollt?

Pietro: An die, die Musik machen, wie schon zuvor gesagt, einfach weitermachen und an sich glauben. Ganz wichtig ist es, ein Alleinstellungsmerkmal zu erarbeiten, welches einen von den anderen abhebt. Definitiv dranbleiben und immer mit Leuten connecten und zusammenarbeiten. 

Dustin: Das unterschreibe ich so!

Max: Danke dir Pietro und danke dir Dustin!

Pietro: Ich danke dir!

Max: Danke an Carbonara Studios für die tolle Atmosphäre! Wir machen es uns noch gemütlich und gehen noch schön essen! Vielleicht gibt es die tolle Carbonara, wer weiß? Bis zum nächsten Gartentalk! 

 

Vielen Dank Carbonara Studios!

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